Malaysische NGOs gegen neue Staudammpläne der Sarawak-Regierung

Der wegen seiner sozialen und ökologischen Auswirkungen umstrittene Bakun-Staudamm (Bild) wird voraussichtlich im Jahr 2012 mit einer Leistung von 2400 Megawatt ans Netz gehen.
Nach dem Publikwerden von Plänen für den Bau von zwölf neuen Wasserkraftwerken im ostmalaysischen Bundesstaat Sarawak fordern Umweltschützer die malaysische Regierung erneut zu einer umfassenden Energiepolitik auf.
Ein vertrauliches Dokument mit dem Titel „Chinese Power Plants in Malaysia – Present and Future Development“ („Chinesische Kraftwerke in Malaysia – gegenwärtige und zukünftige Entwicklung“), das irrtümlich auf einer chinesischen Internetseite veröffentlicht wurde, gibt Auskunft über den geplanten Bau von Kraftwerken von 2008 bis 2020. Das Dokument beschreibt die Lage von zwei Kohlekraftwerken, zwölf Staudämmen für Wasserkraftwerke sowie mehreren Kombikraftwerken. Die geplanten Standorte sind über den gesamten Regenwald Sarawaks – den zweitältesten der Welt – verteilt.
Die von den Dämmen verursachten Stauseen werden vermutlich mehrere Penan-, Kelabit- und Kenyah-Dörfer überfluten und die Umsiedlung von mehr als 1000 Menschen auslösen. Die Lage des geplanten Tutoh-Staudammes wirft ausserdem die Frage auf, ob der bekannte Mulu-Nationalpark seinen Status als UNESCO-Welterbe wird beibehalten können, da möglicherweise Teile des Parks unter Wasser gesetzt werden.
Der Vorsitzende und Sprecher des Malaysischen Zentrums für Umwelt, Technologie und Entwicklung (CETDEM), Gurmit Singh, meinte, die Pläne würden die Kurzsichtigkeit und die Lücken in der nationalen Energie- und Umweltpolitik aufzeigen.
Gurmit sagte, die Staudammpläne zeigten eine angebotsorientierte Energieplanungsstrategie, die nicht mit den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung übereinstimmt. "Diese Pläne lassen auch künftige Umweltbedrohungen unberücksichtigt wie etwa den Klimawandel, der zu Wasserknappheit und Ökosystemstörungen führen wird.“
Singh fügte hinzu, dass es sinnlos sei, 12 neue Dämme zu bauen, wo doch der Bakun Damm die Kapazität hätte, drei mal so viel Energie zu erzeugen, wie derzeit in Sarawak konsumiert würde.
„Wir können nicht einfach die Zukunft unserer Kinder und Enkel um kurzfristiger Gewinne willen verpfänden“, sagte Singh.
Laut Singh zieht der Bau grosser Wasserkraftwerke oft irreversible Schäden der Tier- und Pflanzenwelt nach sich und kann möglicherweise das Überleben der indigenen Völker, die von Sarawaks Flüssen und Wäldern abhängig sind, gefährden. „Mit dem Bau eines grossen Staudammes wird die Hydrologie der Flüsse – vom Strömungsverlauf bis hin zum Druck auf die Uferbereiche – nahezu unvorhersehbar. Dadurch entsteht Gefahr für die Menschen, die von den Wasserwegen für den Schulweg, den Weg zur Arbeit oder zum Markt abhängig sind“, meinte Singh.
Er hob auch hervor, dass aufgrund des Klimawandels weder die dauernde Wasserversorgung
grosser Wasserkraftwerke gesichert sei, noch diese gegen die Auswirkungen des Unterminierens der Integrität der Wassereinzugsgebiete gefeit seien. Das würde den Wert derartiger Projekte weiter in Frage stellen.
„Dies alles bestätigt die Dringlichkeit einer umfassenden Energiepolitik, die berücksichtigt, wie der Energieverschwendung Einhalt geboten und mehr Effizienz der existierenden Energieinfrastruktur erlangt werden kann – einer Energiepolitik, die uns die Sicherheit langfristiger Energieversorgung bringt, ohne die ökologische Nachhaltigkeit zu verletzen.“
Den Ruf nach einer umfassenden Energie- und Umweltpolitik unterstützen sowohl Umwelt- und Naturschutzorganisationen als auch Menschenrechtsorganisationen wie Borneo Resources Institute (BRIMAS), Treat Every Environment Special (TrEES), Center for Orang Asli Concerns (COAC), Sahabat Alam Malaysia (SAM – Friends of the Earth Malaysia) und Malaysian Nature Society (MNS).
Der Stausee des im Bau befindlichen Bakun-Damms wird eine Fläche überfluten, die grösser als Singapur ist, und das Potential zur Generation von 2400 MW haben.
Gemäss Umweltschützern und Befürwortern erneuerbarer Energien ist wissenschaftlich bewiesen, dass grosse Staudämme massive Umweltzerstörungen nach sich ziehen, da verrottende Vegetation weitaus grössere Mengen von Kohlendioxid und Methan produziert als Kohlekraftwerke mit vergleichbarer Leistung. Das Dokument „Chinese Power Plants in Malaysia – Present and Future Development“, das auf www.wikileaks.org eingesehen werden kann (www.wikileaks.org/wiki/Category:Malaysia), beschreibt den Bau von zwölf Staudämmen im Osten Sarawaks mit einer Leistung zwischen 54 MW und 1000 MW, für die Produktion weiterer 4600MT zusätzlich zu den durch den Bakun Damm produzierbaren 2400 MW. Die totale mögliche Kapazität der Wasserkraftwerke wäre somit 7000 MW im Osten der Provinz.
Sarawak Energy (SEB) ist der einzige Energieproduzent in Sarawak. Die Gesellschaft ist zu 65% vom Büro des Staatssekretärs für Finanzen in Sarawak kontrolliert. Der CEO des Unternehmens ist ein Schwager von Sarawaks Chief Minister Taib Mahmud.
Quelle: Coalition of Malaysian NGOs, 23. Juli 2008

