Schweizer Rohstoffkonzern Trafigura zerstört den Regenwald

"Einer der grössten unabhängigen Rohstoffhändler": Trafigura-Website (BIld: www.trafigura.com)
Im Vorfeld des internationalen NGO-Treffens zum Thema Wald und Klima vom kommenden Wochenende kritisiert der Bruno Manser Fonds die Rolle des Schweizer Rohstoffhandels-unternehmens Trafigura AG mit Hautpsitz in Luzern. Wie der Bruno Manser Fonds heute Montag bekanntgab, ist Trafigura seit kurzem Hauptabnehmerin grosser Mengen von Agrotreibstoffen aus malaysischem Palmöl, die nach Europa und in die USA exportiert werden. Der Bruno Manser Fonds fordert von Trafigura einen Verzicht auf diese Geschäfte, welche die Tropenwälder in Südostasien akut gefährden.
Seit vergangenem Januar bezieht der Schweizer Rohstoffhandelskonzern Trafigura AG monatlich zwischen 5000 und 7000 Tonnen Palmöl von der malaysischen Carbotech Bhd. Wie Recherchen des Bruno Manser Fonds zeigen, wird Trafigura bis Ende 2009 von Carbotech bis zu 84'000 Tonnen Palmöl zur Verbrennung als Agrotreibstoff in Europa und den USA beziehen. Abgewickelt wird der Deal über die holländische Trafigura-Tochter Trafigura Beheer BV.
Bereits im vergangenen November sagte der stellvertretende malaysische Minister für Plantagenwirtschaft und Rohstoffproduktion, Senator Kohilan Pillay, Trafigura spiele eine zentrale Rolle im Palmöl-Handel mit dem südostasiatischen Staat und sei Abnehmerin von 500'000 Tonnen Palmöl aus malaysischen Vorräten. Zudem ist Trafigura an der Entwicklung von Agrotreibstoff-Fabriken im waldreichen malaysischen Bundesstaat Sarawak auf der Insel Borneo beteiligt.
Der Bruno Manser Fonds (BMF) kritisiert die Geschäfte von Trafigura mit deutlichen Worten: „Wir verlangen, dass sich Trafigura aus dem für die Umwelt und das Klima schädlichen Geschäft mit Agrotreibstoffen aus Palmöl unverzüglich zurückzieht“, sagte BMF-Geschäftsleiter Lukas Straumann. „Trafigura macht sich sonst direkt verantwortlich für die Zerstörung der tropischen Regenwälder von Südostasien.“ Die Anlage neuer Palmöl- und Papierholzplantagen ist die Hauptursache für die rasch fortschreitende Zerstörung der Regenwälder in Malaysia und Indonesien. Die Ausweitung der Plantagen geschieht meist unter Missachtung der Landrechte indigener Gemeinden.
Mit einem Umsatz von 73 Milliarden US-Dollar (2008) und Niederlassungen in 37 Staaten zählt Trafigura zu den weltweit grössten Rohstoffhandelsunternehmen. Das globale Unternehmen mit Hauptsitz in Luzern war bereits 2006 in einen Aufsehen erregenden Giftmüll-Skandal in der Elfenbeinküste verwickelt und musste dem afrikanischen Staat 152 Millionen Euro Entschädigung zahlen.
Die Erhaltung der tropischen Regenwälder spielt eine zentrale Rolle für den globalen Klimaschutz. Diesem Zusammenhang wird sich vom 12. bis 14. Juni das Forest Movement Europe Meeting 2009 im basellandschaftlichen Hölstein widmen, zu der 60 Teilnehmer/innen aus 23 Staaten erwartet werden, darunter NGO-Vertreter/innen aus Malaysia, Indonesien, Kolumbien und Ghana. Organisiert wird die Konferenz vom Bruno Manser Fonds in Zusammenarbeit mit der europäischen Umwelt-Lobby FERN (www.fern.org).
(8. Juni 2009)
UPDATE: Gemäss "20 Minuten online" vom 9. Juni 2009 sagte ein Trafigura-Sprecher, die Vorwürfe des Bruno Manser Fonds seien "ungenau und schlecht recherchiert". Der Bruno Manser Fonds hält an seiner Darstellung fest und fordert Trafigura auf, ihre Bücher offenzulegen und ihre Beteiligung am internationalen Palmöl-Handel transparent zu machen.

